Jesse Owens
„Jesse“ Owens (J.O.)wurde mit bürgerlichem Namen „James Cleveland“ Owens als siebtes Kind von Henry und Emma Owens am 12. September 1913 in Oakville (US-Bundesstaat Alabama) geboren. Seinen Spitznamen „Jesse“ soll er von einem Lehrer erhalten haben, weil er den Akzent nicht richtig verstand, als Owens ihm sagte, daß er J.C. genannt wird.
J.O. war der Enkel eines Sklaven und des Sohns eines Baumwollpflückers und zog, als er neun Jahre alt war mit seiner Familie nach Cleveland (US-Bundesstaat Ohio).
Seine Lauffähigkeiten wurden von seinem Lehrer Charles Riley an der „Fairview Junior High-School“, entdeckt, der ihn auch förderte und trainierte. Da J.O. in einer Schuhreparaturwerkstatt nach der Schule arbeitete, erlaubte Riley J.O., vor Schulbeginn zu trainieren.
An der High School überraschte Jesse Owens mit hervorragenden Weiten im Weitsprung und mit guten Zeiten in den Kurzdistanzen über 100 und 220 Yards. Nach der Schulzeit begann er Pädagogik an der Ohio State University in Columbus zu studieren und er wurde schnell Mitglied in der Leichtathletikmannschaft der Universität.
Im Weitsprung schaffte es J.O. mit einer Weite von 7,81 Metern im Jahr 1934 an die Spitze der Jahresweltbestenliste vor-zurücken. Oftmals startete Jesse Owens an einem Wettbewerb im Sprint und im Weitsprung gleichzeitig. Im Jahr 1935 reichte Owens in einem Wettbewerb in De Moines mit seiner Weite von 7,97 Metern bis auf einen Zentimeter an den bestehenden Weltrekord von Nambu heran.
Im Jahr 1935 stellte er in einer Zeit von nur 45 Minuten sechs spektakuläre Weltrekorde in den Disziplinen 100 und 200 Yards Rennen, 220 Yards Hürdenrennen und im Weitsprung auf. Jesse Owens sprang als erster Mensch in der Leichtathletik über 8,00 Meter; im Mai des Jahres 1935 schaffte er die traumhafte Weite von 8,13 Meter in Ann Arbor.
Am 25. Mai 1935, der nachträglich auch als „The Day of the Days“ bezeichnet wird, stellte Owens innerhalb von 45 Minuten sechs Weltrekorde auf. Er lief die 100 Yards in 9,4 Sekunden. Dann kam er zum Weitsprung und schaffte als erster Mensch in dieser Disziplin, die 8,00 Meter Marke zu überspringen. J.O.s 8,13 m waren ein Fabelweltrekord, der über 25 Jahre ungeschlagen blieb.
Dann startete J.O. über 220 Yards. Seine Zeit von 20,3 Sekunden blieb drei Zehntel Sekunden unter der bestehenden Weltrekordzeit. Mit dieser famosen Zeit war er auch schneller als der weltbeste Läufer über die 200 Meter Distanz, somit fuhr J.O. in einem Rennen gleich zwei Weltrekorde ein. Dann lief er die 220 Yards Hürdenrennen. J.O. war mit einer Zeit von 22,6 Sekunden deutlich schneller als der vorige Weltrekordinhaber Norman Paul mit seiner Zeit von 23,0 Sekunden. Auch hierbei unterbot er den bisherigen Weltrekord in der 200 Meter Distanz, so daß auch dieses Rennen zwei Weltrekorde beinhaltete. Jesse Owens stellte demnach insgesamt sechs Weltrekorde in deutlich weniger als einer Stunde auf, das war selbst eine unüberbietbare Weltbestleistung, die in die Sportgeschichte einging.
Bei den Olympischen Spielen 1936 schrieb J.O. ein zweites Mal Sportgeschichte: Er war der erste Leichtathlet, der bei Olympischen Sommerspielen vier Goldmedaillen gewann (100 m, 200 m, Weitsprung und 4 x 100 m-Staffel). In den Sportschuhen des deutschen Schuhfabrikanten A. Dassler avancierte J.O. zum Star der OS 1936 und führte mit seinen Erfolgen damit die Rassepolitik und die Propagandalügen des Nazi-Reiches ad absurdum.
Nach den Spielen von 1936 hatte J.O. Schwierigkeiten, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er machte dann Werbung für den Sport, hauptsächlich aber für sich selbst. In 100-Meter-Schaurennen gab er Läufern aus der Region jeweils 10 oder 20 Meter Vorsprung und gewann dennoch. Er trat auch gegen Rennpferde an und gewann. Später fand man jedoch den Trick heraus: J.O. startete jeweils gegen höchst reizbare Vollblüter, die beim Startschuß erschraken und zuerst eine Weile in die falsche Richtung liefen. Das Idol ganzer Sportgenerationen entwickelte später Leichtathletikprogramme für jugendliche Nachwuchssportler und rief ein Public-Relations-Unternehmen ins Leben.
1976 erhielt Owens durch Präsident Gerald Ford die Freiheitsmedaille verliehen, sowie 1990 posthum die Kongreßmedaille durch George H. W. Bush. 1984 wurde in Berlin eine Straße nach ihm benannt (die Jesse-Owens-Allee am Berliner Olympiastadion).
Jesse Owens, der Zeit seines Lebens Zigaretten rauchte, starb am 31. März 1980 an Lungenkrebs in Tuscon (US-Bundesstaat Arizona). Er wurde im Oak Woods-Friedhof in Chicago beigesetzt.